23.03.2006 - Hoch's und Tief's am Ironman in Port Elizabeth

Vorbereitung Stellenbosch

Guter Dinge und mit der gewissheit fit zu sein kam ich nach Port Elizabeth. Die vergangenen zweieinhalb Wochen konnte ich mich mit der Nationalmannschaft unter anderem mit Christoph Mauch, Stefan Riesen, Karin Thürig und Mike Aigroz in Stellenbosch, unter der Leitung des Nationalcoachs Iwan Schuwey, optimal vorbereiten. Die super Betreuung des Swiss Triathlon Medical Teams mit Massagen erleichterte es, das Trainingspensum besser zu verkraften und Verletzungen vorzubeugen bzw. schnell zu behandeln. Miit Marco Schifferle war auch der Schwimmcoach dabei, was die Trainings qualitativ enorm steigerte. Ausserdem war es beeindruckend mal zu sehen, wie schnell die Kurzdistanz-Spezialisten Ihre Bahnen zogen. Allen voran die jungen wilden um Jan Van Berkel und Aron Maria Rudolf.


Ironman Südafrika

Die Auftaktdisziplin, die 3,8Km Schwimmen gelangen mir gut, ich konnte in einer Gruppe mit dem späteren Sieger Schellens und dritten Vabrousek mitschwimmen. Das Meer war sehr wellig, einen guten Rythmus fand ich nie, die andere jedoch sicher auch nicht. Gegen Ende bekam ich langsam schwere Arme und ich sehnte den Ausstieg sehr entgegen. Nach 59 Minuten war's dann soweit. "Mann, ich werde auch nie schneller" dachte ich mir. Hatte mir nach meinen Schwimmleistungen im Pool und der grösseren Trainingsumfänge mehr eine Zeit um 55 Minuten vorgestellt. Als mir aber der Rückstand von vier Minuten auf Faris Al Sultan mitgeteilt wurde, wusste ich, dass die Schwimmzeit ok war obwohl auch er seine Probleme hatte.

Das Radfahren ging ich forsch an und überholte sogleich Schellens und Vabrousek. Es windete zwar enorm stark und fing gar an zu regnen, was mir aber nichts ausmachte sondern eher freute. Nach ca. 30 Kilometer waren wir wieder eine Gruppe um Schellens und plötzlich merkte ich, dass die zehn Meter die ich einhielt, immer mehr wurden. Ich konnte die Gruppe nicht mehr halten! Ich konnte es kaum glauben schon so früh im Rennen nicht das Tempo meiner Konkurrenten mitgehen zu können. Etwas erzwingen wollte ich nicht und so liess ich die Gruppe ziehen. Dass einige die zehn Meter nicht sehr genau nahmen und ich rede nicht von sieben oder acht Meter, fand ich schade um es nett auszudrücken. Auch Race Marshalls waren keine weit und breit.

Indessen steckte ich das weg, da ich mit mir selber kämpfen hatte. Mein Gesässmuskel und der Rücken schmerzte mich enorm und ich fand keine angenehme position auf dem Rad. Die letzten Wochen fühlte ich mich auf dem Rad wie Ulle persönlich und nun sowas. "Ein kleines tief", dachte ich mir, es wurde auf dem Rad ein nie Endendes. Ich verlor pro 60 Kilometer Runde auf die Spitze cirka 6 Minuten! Nun ja, Faris war in Führung und der ist ja der amtierende Hawaii Champ. Stefan Riesen flog dann auch irgendwann mal vorbei und ich war froh keinen Schnupfen eingefangen zu haben. Langsam machte sich der Unmut in mir breit und ich überlegte, das unschuldige BMC Rad auf die Klippen des Meeres rechts von mir zu werfen. Ich fuhr natürlich weiter, es waren ja nur noch 100 Kilometer zu fahren. Ich war am Tiefpunkt angelangt und dachte nicht mehr viel ausser die letzten Kilomter hinter mich zu bringen! Ich befand mich trotzdem noch auf dem passablen 15. Rang. Die Verpflegung vergass ich trotz der wideren Umstände nie, was mir im späteren Rennverlauf noch zugute kommen würde. Dir letzte Runde fuhr ich etwas besser und ich brauchte ziemlich genau 5 Stunden für die 180 Kilometer. Ich war froh endlich vom Rad steigen zu können. Über 20 Minuten Rückstand auf die Spitze war ein klare Sprache.

Kaum in meine Laufschuhe gewechselt, fühlte mich pudelwohl. "Wenn das so weitergeht könnte es ja ausnahmsweise mal Spass machen?!" dachte ich mir. Verantwortlich dass ich auch ja alle 15 Minuten meine Verpflegung einahm, war meine Suunto Uhr. Ich kontrollierte auch dauernd meine Kilometer-Zeit, die konnte sich mit 4 Minuten und 10 Sekunden sehen lassen. Nach dem ersten Turn Around kamen mir die vor mir liegenden Athleten entgegen. Die Top 8 sahen gut aus, dahinter aber eher leidende Gesichter. Ich merkte," da geht noch was" und lief im selben Stile weiter ohne zu überzocken. Einen nach dem anderen konnte ich ein- und überholen bis ich bei Kilometer 21 in die Top Ten vorstoss. Ich stoppte 1h27 für den Halbmarathon. Weiter ging's im selben Tempo, keine Spur von Schmerzen oder Müdigkeit. Wenig später überholte ich noch Twelsiek und dann Leitner und schon war ich 8er. Ich musste etwas schmunzeln als ich mir den Rennverlauf nochmals Revue passieren liess. Ich hatte noch selten solch extreme Tiefs und Hochs so nahe beeinander erlebt, vor allem nicht in dieser Reihenfolge. Das machte mich schon etwas Stolz und zeigte mir wie viel im Kopf abgeht.

Zurück zum Rennen: Reboul lief auf Platz 7, jedoch mit einem grossen Polster und gutem Laufschritt. Ihn würde ich auch mit einer Topzeit nicht mehr einholen können. Ab Kilometer 32 fing auch bei mir das Leiden an, mein leicht verletztes Knie machte sich bemerkbar und die Beine fingen bei jedem Schritt an weh zu tun wie Messerstiche. So quälte ich mich, aber mit Freude, auch noch die letzen 11 Kilomter, um dann nach 8 Stunden 56 Minuten als 8er in's Ziel Laufen zu dürfen. Ein Ausgang, den ich normalerweise als Minimum erwartet hätte, drehte sich nach meinem Tief auf dem Rad zu einem wahren Grosserfolg. Ein Zückerchen ist sicher auch meine Marathonzeit von 2h56. Solche Rennen geben Selbstvertrauen und stimmen mich positiv für meine nächsten Ziele Ironman Zürich und Hawaii.

Vielen Dank an alle Freunde für die super Unterstützung!

Special thanks to:

Chrissy, Marc, Roli, Mike, Poli, Mom and Dad

Ronnie



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