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21.05.2003 - Rennbericht Langdistanz Weltmeisterschaft Ibizia
Vor dem Pro Schwimmstart, welcher mit einem 2 Meter Sprung ins Hafenbecken begann, reihte ich mich direkt hinter Favorit Norman Stadler ein. Es handelte sich um eine 4Km lange runde am Hafenbecken entlang. Neoprenschwimmen war erlaubt, ja sogar Pflicht (sogar fuer Kaltduscher) bei 18 Grad Wassertemperatur. Ich persoenlich liebe das Schwimmen im Neopren gar nicht, sonst haette ich es mir ueberlegt ohne zu starten. Ich dachte wenn ich mich schon jetzt daran mache Ihn zu Verfolgen und eventuell mit ihm aufs Rad steigen kann sei das ein Vorteil. Waere es wohl auch gewesen; ich sah in genau noch ins Wasser springen, ich natuerlich hinterdrein. Ich gab Vollgas und kuemmerte mich nicht mehr um Namen und Marken von Neoprenanzuegen sondern konzentrierte mich so schnell wie moeglich zu Schwimmen. In dem Getuemmel erkannte ich niemanden mehr. Nach 300 Meter kam eine Linkskurve welche ich leider nicht Schumi-Standart nehmen konnte, ich war zu rund geschwommen, die Hauptgruppe war ca. 20 Meter links von mir... ein paar wenige Athleten hatten sich auch fuer die Ueberlandstrasse entschieden und kaempften um den Anschluss. Ich kam wohl Anfangs zu gut weg, da mich dauernd Leute ueberholte, denen ich beim besten willen nicht anhaengen konnte. Ich hoffte jedoch weiter auf eine gute Gruppe um etwas zu entspannen und an deren Fuesse zu draften. Es wollte nicht sein, ich schwamm die ganzen 4Km (wohl mehr 3,8Km) alleine, ueberholte mal noch eine Gruppe von Pro Maedels welche 2 Minuten vor uns gestartet waren, die waren mir aber definitiv zu langsam. Mein Ruecken fing nach der haelfte der Schwimmstrecke an zu schmerzen, da ich mir wohl die hohe Wasserlage durch das Meer und den Neopren nicht gewohnt war. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten und ich konnte es kaum erwarten nach 54 Minuten auf dem 58. Platz ans Ufer zu gelangen. Ich rannte ins Wechselzelt und entledigte mich so schnell es ging dem Neopren. Coach Martin Rhyner klaerte mich waehrend des Wechsels auf mein BMC Rad ueber die Rueckstaende auf die Spitze und die Schweizer auf. Es waren 8 Minuten auf die Spitze (Schock!) und je 3 Minuten auf meinen ewz power team Kollegen Marc Bamert und Bruno Von Flueh. Die Rueckstaende auf meine Teamkollegen stimmten mich positiv, trotz verpatztem Schwimmen hielt sich mein Rueckstand in Grenzen, was mir meine Fortschritte im Schwimmen im nachhinein bestaetigt. Philippe Achleitner kam ganz vorne aus dem Wasser, der war da schon ueber alle Berge. Ich machte mich sofort daran den Rueckstand wett zu machen und fuhr zuegig los. Ich hatte absichtlich keinen Tacho montiert um mich nicht zu sehr davon beeinflussen zu lassen. Werde dies zukuenftig wieder aendern da es einem doch gewisse wichtige Anhaltspunkte gibt und etwas zur Unterhaltung beitraegt. Ich überholte sofort mehrere Athleten welche gar nicht erst versuchten anzuhaengen, da ich um einige Stundenkilometer schneller fuhr. Das Tempo kam dem eines Kurzdistanz Triathlons nahe. Am Ende der Radstrecke wuerden es dann 31 ueberholte Athleten werden. Ich fuehlte mich sehr gut, die Radstrecke 120Km, war ein flacher 2 Runden Kurs mit je einer 4 Km langen Steigung welcher mich an diesem heissen Tag (30Grad) schon mal an den Anschlag bringen würde. Nach ca. 40 Km sah ich den ersten Schweizer vor mir, es war Marc Bamert, so was motiviert, auch wenn man primaer fuer sich selber faehrt. Der Vergleich mit seinen Teamkollegen ist natuerlich sehr interessant und ein messbarer Vergleich, da man sich von frueheren Wettkaempfen kennt. Marc zog eine ganze Gruppe hinter sich her. Ich ueberlegte ob ich mich ausruhen sollte oder gleich einen Angriff zu starten. Ich entschied mich fuer Angriff, setzte mich an die Spitze und machte grossen Druck um meine Verfolger abzuschuetteln. Die Jungs bissen sich aber fest und ich musste mir etwas anderes ueberlegen. 300Meter vor mir sah ich eine Steigung und entschied mich dort meinen 2. Angriff zu lancieren. Ich ging aus dem Sattel und sprintete den kurzen Huegel hinauf. Die anderen vermochten nicht zu folgen, jedoch hatte mich dieses riskante Manoever sehr viel Kraft gekostet. Es ist immer ein gewisse Gratwanderung wie viel Kraft und Energie man fuer welche Disziplin einsetzen sollte, vor allem bei einem Langdistanz Triathlon wo in diesem Fall am Schluss noch 30Km absolviert werden muessen. Ich persoenlich gehe in allen Disziplinen Anfangs sehr hart an und versuche dann das Tempo so "angenehm" hoch wie moeglich zu halten. Ich war kurz davor die haelfte der Raddistanz hinter mich gebracht zu haben als mir die fuehrenden Athleten entgegen fuhren. Es war eine riesige Gruppe von ueber 25 Athleten welche fuer meinen Geschmack viel zu nahe hintereinander fuhren. Ich konnte den Rueckstand bei Rennhälfte um 2 Minuten verringern, jedoch spuerte ich langsam meinen Kraefteverschleiss. Mehr oder weniger unbeirrt machte ich mich auf die 2 Runde, jedoch fiel es mir anfaenglich schwer ein hohes Tempo zu halten. Ich musste einige Kilometer ganz schoen leiden. Vor allem psychisch war es hart, da ich ab Km 65 nur noch alleine zwischen Spitze und Verfolgergruppe fuhr. Als ich mich dann doch noch einem Athleten naeherte und sah, dass es sich um Rene Rovera, den letztjaehrigen 3. am Ironman Zuerich handelte, half mir dies mein tief zu ueberwinden. Ich ueberholte ihn als er sich an einem der Verpflegungsposten reichlich Zeit liess sich mit Getraenken und Bananen einzudecken. Ich schnappte mir auch noch schnell eine Banane und stopfte Sie gleich in mich rein. Ich bekam fuer kurze Zeit kaum mehr Luft....konnte dann aber auch dieses Problem mit Powerrade loesen und schon konnte es weiter gehen. Beim zweiten 4Km Anstieg bei Km 90 konnte ich meinen Koerper kaum mehr mit genuegend Sauerstoff versorgen, zumindest nicht bei diesem Tempo. Ich drosselte die Geschwindigkeit auf einen angenehmen Atemrythmus. Auch wenn es sich nun mehr nach Trainingstempo anfuehlte, leidete ich wie ein Hund. Ich schaute sogar zurueck, Stefan Riesen war ja einige Minuten nach mir aus dem Wasser gestiegen und ich dachte ihn bald anzutreffen, zumal er ein super Radfahrer ist. Wie sich nachher rausstellte gab er nach der ersten Radrunde leider auf. Nach der Steigung kam die Abfahrt, ich erholte mich wieder und konnte das Tempo die letzen 30Km wieder hoch halten. Ich fuhr die 120Km knapp unter 3 Stunden. In der Wechselzone angekommen befand ich mich auf dem 28. Platz. Wie mir Martin Ryhner versicherte schaute ich noch gut aus..... Ich fuehlte mich auch gar nicht so schlecht, etwas steif aber sonst gut. Da ich mich in den letzen 4 Wochen mit einer Knochenhautentzuendung rumschlagen musste und das Lauftraining etwas zu kurz kam wusste ich nicht genau wo ich stehe und ob ich schmerzfrei laufen koenne. Ich spuerte jedoch nichts davon ausser den normalen Muedigkeitserscheinungen. Bruno Von Flueh konnte eine aehnlich Radzeit realisieren wie ich und hatte knapp 2,5 Minuten vor mir gewechselt. Philippe Achleitner kam auch noch vor mir in die Wechselzone, jedoch ueberholte ich ihn schon nach ca. 2km. Er war etwas enttaeuscht und hatte nicht seinen Tag, darum versuchte ich ihn erst recht anzufeuern, eine Teammedaille war ja das angestrebte Ziel. Ich konzentrierte mich wieder auf mich und versuchte moeglichst fluessig und mit wenig Energieaufwand zu Laufen, was mir die ersten 20Km auch gelang. Marc, welcher knapp 3 Minuten nach mir wechselte machte ein super Rennen und schenkte mir beim Laufen keinen Meter. Wir motivierten uns gegenseitig soweit dies noch ging. Die letzen 10 Kilometer musste ich mit Kraempfen kaempfen, ja sogar mal kurz halten um einen zu loesen. Ab da lief ich wie auf Eiern und alles andere als Schmerzfrei. Die letzen 3 Kilometer gab ich nochmals alles, einen 4 Minuten Schnitt pro Kilometer hatte ich mir als Ziel gesetzt. Schlussendlich lief ich mit einer Laufzeit von 2h02min und einer Gesamtzeit von 5h58min23sek. als 23. ins Ziel und war uebergluecklich es geschafft zu haben. Leider reichte es nicht fuer eine Teammedaille sondern nur fuer den 6. Platz, jedoch waren die Teams und das Rennen allgemein sehr stark besetzt. Mit meiner Leistung im ersten Wettkampf der Saison bin ich sehr zufrieden, zumal ich nicht gewusst habe ob ich mit den Jungs mithalten kann. Mit der Platzierung kann ich leben, obschon es ohne die Windschatten-Rowdies vielleicht etwas anders ausgesehen haette. Ich befinde mich auf einem guten Weg und meine Formkurve steigt weiter nach oben. Cheers Ron |